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Klassische Musik und Oper von Classissima

Martha Argerich

Sonntag 26. Februar 2017


Crescendo

25. Januar

Gidon Kremer: Demokratischer König - Gidon Kremer

CrescendoDer Geiger wird 70, seine Kremerata Baltica 20 Jahre alt. Gemeinsam haben sie nicht nur die Musik neu erhorcht, sondern auch die Welt ein bisschen besser gemacht. Als Gidon Kremer 1979 die Kremerata Baltica gründete, um begabte Musiker aus den drei jungen baltischen Staaten zusammenzuführen, war das ein Projekt für einen Sommer. Inzwischen dauert dieser Sommer zwei Jahrzehnte, und das Orchester steht für verlässlich warme, lichte Klangkultur und sensible Interpretationen oftmals unbekannter Werke. Den Stamm von rund 18 Musikern nennt Kremer „meine musikalischen Kinder“ – ihr Durchschnittsalter liegt bei 30 Jahren. Inzwischen sind viele neue Mitglieder hinzugekommen, andere sind weitergezogen, und Kremer stellt fest: „Auch wenn 20 Jahre vergangen sind: Der Geist der Kremerata ist bis heute der gleiche.“ Er weist weit über die Qualität der einzelnen Mitglieder hinaus, hat viel mit Hingabe zu tun, mit einer bestimmten Sicht auf die Musik. „Es geht nicht nur darum, Musik auf höchstem Niveau zu machen“, sagt Kremer. „Es geht mir vor allem um Offenheit, darum, aufgeschlossen zu sein – gegenüber Menschen, neuen Ideen und außergewöhnlichen Projekten.“ Das Ergebnis sei eine „wunderbare Mischung aus Erfahrung und Unschuld“, welche die Kremerata Baltica auszeichne. Kremer selbst nimmt als Leiter die Rolle eines „guten Königs“ ein, wie er sagt, agiert als Lenker und musikalischer Vater, hält die Fäden zusammen und sorgt für Disziplin. Dieses Jahr feiert der König ebenfalls Geburtstag – seinen 70. In gewisser Weise folgt Kremer als Künstler-König dem Vorbild einer der prägendsten Figuren auf seinem eigenen künstlerischen Weg, seinem Lehrer David Oistrach, bei dem er ab 1965 in Moskau studierte. „Oistrach war unglaublich tolerant und generös“, erinnert sich Kremer, und er habe ihm dabei geholfen, seinen ganz eigenen Stil zu finden. Der Name Gidon Kremer ist immer auch mit dem Streben nach Freiheit verbunden – in der Musik ebenso wie als politischer Mensch. „Ich wollte nie das Übliche, ich wollte mich nie einreihen“, sagt Kremer, dann räuspert er sich und fügt hinzu: „Ich weiß nur zu gut, was Druck von oben bedeutet.“ Als Sohn und Enkel zweier Geiger stand er von Beginn an unter großem Leistungszwang. „Mein Beruf war bereits vor meiner Geburt entschieden“, sagt der Geiger. Er wertet das nicht. Er stellt es fest. Aber dann lacht er rau auf. Irgendwann habe er die Entscheidung seiner Eltern auch für sich selbst getroffen: „Wenn ich schon gezwungenermaßen Geige spielen muss, will ich das bewusst zu meiner Berufung machen.“ Und das ist ihm auch gelungen. 1969 gewann er den Paganini-Wettbewerb, 1970 den Tschaikowsky-Wettbewerb, und schnell galt der lettische Virtuose mit der fesselnden Präsenz auf der Bühne und dem farbenreichen und innigen Spiel als führender Interpret seiner Generation. Gidon Kremer hatte sich freigespielt. Politisch musste er sich erst noch befreien. 1980 blieb er länger im Westen, als es ihm sein sowjetisches Visum erlaubte. Kremer entschied sich, nicht mehr in die UdSSR zurückzukehren. Auch das war der entschlossene Schritt eines Individualisten, der die kritische Selbstreflexion jedem zornigen Dogmatismus vorzieht und nie allein Musiker ist. Gidon Kremer ist in allem, was er tut, immer auch Humanist. Es gibt verschiedene Leitsätze, die Gidon Kremer im Laufe seines reichen Künstlerlebens für sich entdeckt hat. „Jeder Mensch muss respektiert werden für das, was er ist“, lautet einer. Oder: „Vertrau keinem, der weiß, wie es geht.“ Dabei ist Kremer eigensinnig im besten Sinne geblieben, ein steter Zweifler und unerschrockener Entdecker, den gerade jene Dinge reizen, die jenseits des glatten Mainstreams liegen. Zurzeit feilt er an einem Projekt mit dem Titel „Bilder aus Osten“. Es setzt sich auf ganz eigene Art mit der Flüchtlingskrise auseinander: Kleine animierte Steinskulpturen des syrischen Künstlers Nazir Ali Badr sind auf einer Leinwand zu sehen, während im Hintergrund Melodien aus dem Tierkreis von Stockhausen gespielt werden. Im Wechsel zu den Filmsequenzen erklingen außerdem sechs Klavierduo-Stücke von Robert Schumann, die Kremer für Kammermusikensemble arrangiert hat. So entsteht ein zärtliches, eigenwilliges und berührendes Gesamtkunstwerk – ein musikalisches Spiegelbild des Menschen Gidon Kremer. „Musik vermittelt Emotionen, doch sie tut weit mehr als das. Sie trägt den menschlichen Geist in sich“, sagt der Geiger, dem kaum etwas suspekter ist als Musik um des Vergnügens willen, der Showgebaren ohne Substanz bekämpft. Es erschüttert Kremers Musikverständnis bis ins Mark, wenn ein Name mehr als der Inhalt und die Qualität eines Musikers gilt. Reine Perfektion berührt ihn nicht, er sucht nach Persönlichkeiten, die seinen Anspruch an eine Musik jenseits der „nur schönen Töne“ teilen, Musiker wie Daniil Trifonov oder Dmitry Masleev. Im Laufe seiner Karriere hat Kremer mit unzähligen renommierten Musikerkollegen zusammengearbeitet und sich mit unterschiedlichsten Werken und Komponisten auseinandergesetzt. Fern der Dogmen und starrer Scheuklappen hat er sich leiten lassen von seinem Streben nach Offenheit, Persönlichkeit und Ehrlichkeit. Heute kann er auf zahlreiche außergewöhnliche Musikerlebnisse zurückblicken, wobei er überfordert abwinkt, wenn er gebeten wird, die besonders prägenden zu nennen. „Das ist unmöglich“, sagt er und hebt die Hände. „Da gab es so vieles: die Zusammenarbeit mit Bernstein und Harnoncourt, die Auftritte mit Martha Argerich, die Beschäftigung mit dem Alban Berg-Violinkonzert, den Bach-Sonaten, mit Astor Piazzolla.“ Im Laufe seines Lebens hat Kremer auch seine Klangzone ausgeweitet, stets auf der Suche nach unbekanntem Repertoire und unbekannten Komponisten wie Mieczysław Weinberg, der auch durch Kremers Interpretationen bekannt geworden ist. Gleich einem Schatzsucher spürt Kremer nach Werken, deren Geist ihn berührt. Habe er ein solches gefunden, könne er stur sein und durch Wände gehen, wenn es sein muss. Oft entstehen dann kunstvolle Projekte, die sich dem Schubladendenken und den Regeln der breiten Vermarktbarkeit entziehen, und nicht selten hat er diese selbst finanziert, um sie realisieren zu können. Erlebt man den Künstler auf der Bühne, zeugt sein Spiel von der kompromisslosen Hingabe eines Besessenen. Jeden Ton, jede Spannung und jede harmonische Wendung scheint er im Moment seines Spiels neu zu entdecken. Als leidenschaftlicher Interpret stellt Kremer seine ganze Kraft in den Dienst der Musik, meidet jede überflüssige Geste, scheint im Moment versunken und ist doch blitzwach. Oft steht er dann im langen weißen Hemd auf dem Podium, hält die Augen geschlossen und geht leicht in die Knie, bevor er mit ruhiger Bewegung den Bogen auf die Saiten setzt. Es ist eine innige, süß schmelzende Stimme, die er seinem Instrument schließlich entlockt: ein existenziell berührender Ton, der unter Kremers Händen fordern kann und aufbegehren, zärtlich liebkosen, fröhlich tänzeln und tief traurig weinen. Nun gäbe es allen Grund zum Feiern. Doch blumige Ehrungen liegen dem zurückhaltenden Skeptiker ebenso wenig, wie er sich mit einer wehmütigen Gesamtschau aufhalten möchte. „Was ist noch zu tun?“ Das sei die Frage, die ihn angesichts der zwei Jubiläen am ehesten umtreibe, und noch mehr als früher habe er den starken Wunsch, etwas zu vermitteln, sich mitzuteilen in Tönen und in Worten und die Menschen mit seiner Musik zu erreichen. Im Frühjahr erscheint eine CD mit Trios von Sergej Rachmaninow, außerdem wird es eine Einspielung der Kammersymphonien von Weinberg geben. „Das Feuer ist da in mir“, sagt Gidon Kremer. „Man sollte nie aufhören, sich zu wundern und andere zu überraschen“ – auch das ist einer der Schlüsselsätze von Gidon Kremer, und für ihn sei das der beste Weg, um im Jetzt zu sein und ganz aufzugehen in dem jeweiligen Tun. „Ganz bei sich zu sein – das ist es, worum es letztlich geht“, sagt Kremer. Dann verabschiedet er sich, eilt hinaus zur Tür. Es gibt noch viel zu tun. Dorothea Walchshäusl GIDON KREMER AUF TOURNEE 28.2.2017: Krün, Schloss Elmau 2.3.2017: Berlin, Philharmonie 4.3.2017: Regensburg, Universität 5.3.2017: Baden-Baden, Festspielhaus 7.3.2017: Neumarkt in der Oberpfalz, Reitstadel 8.3.2017: München, Philharmonie Gasteig 9.3.2017: Bochum, Anneliese Brost Musikforum Ruhr 5.4.2017: Hamburg, Elbphilharmonie 23.4.2017: Potsdam, Nikolaisaal Potsdam 24.4.2017: Bielefeld, Rudolf-Oetker-Halle 11.5.2017: Kronberg, tba 14., 15.5.2017: Stuttgart, Liederhalle „Preghiera“ Rachmaninov Piano Trios, Kremer, Dirvanauskaité, Trifonov (Deutsche Grammophon) Mieczysław Weinberg: „Chamber Symphonies, Piano Quintet“ Kremerata Baltica Gidon Kremer (ecm)

Klassik am Mittag

2. Januar

Cellomusik

Sendung Nummer 752 3.1.2017 & 8.1.2017, 12 Uhr Heute präsentiere ich Ihnen wunderbare und gesangliche Musik für das Cello als Soloibnstrument und zwar nicth die beliebten Schätzchen wie den Schwan, einmal quer durch den musiklaischen Blumengarten. __________________________________________________ Playlist: 1.) Felix Mendelssohn Bartholdy Complete Works for Cello and Piano Duo Arp Frantz Plattenverlag: Genuin Leipzig Erscheinungsjahr: 2008__________________________________________________ 2.) Jaqueline du Pré spielt Elgar und Brahms Daniel Barenboim Klavier London Symphony Orchestra Plattenverlag: Die Zeit Klassik Edition Nr. 14 / EMI Erscheinungsjahr: 2006__________________________________________________ 3.) Mischa Maisky Martha Argerich in Concert Plattenverlag: Deutsche Grammophon Erscheinungsjahr: 2005__________________________________________________ 4.) Concerto Barocco Plattenverlag: www.voicesofmusic.org__________________________________________________ 5.) Schubert Fantasy in C Duo in a Arpeggione Sonata Pieter Wispelwey Cello Paolo Giacometti Klavier Plattenverlag: Onyx Erscheinungsjahr: 2009__________________________________________________ 6.) Mendelssohn cello sonatas, variations, 7 songs without words Mischa Maisky Cello Sergio Tiempo Klavier Plattenverlag: Deutsche Grammophon Erscheinungsjahr: 2002




Crescendo

14. November

Revolution und Restauration in Salzburg - Warum Hinterhäuser Festspiel-Programm ein Zeichen der Zeit ist

„Make Salzburg Great again!“ – Markus Hinterhäuser stellt das Programm 2017 vor und entpuppt sich als Obama der Kultur: Mehr Miteinander, mehr Eigenverantwortung, mehr nachdenken. Von Axel Brüggemann Es wird derzeit ja viel über Eliten, verkrustete Strukturen, über Lobbyisten und Systeme debattiert, die nur noch wenig mit dem zu tun haben, was die Menschen bewegt, über Seilschaften, Netzwerke und die Spaltung der Gesellschaft. Das Gute an der Kultur ist, dass sie – wenn sie aktuell ist – jene Welt, in der wir leben, widerspiegelt. Und, ja, es fällt nicht schwer, auch in der Kultur weltfremde Verkrustungen aufzuzeigen. Schaut man sich etwa die Salzburger Festspiele an, haben sie in den letzten Jahren genau jene Gegenwart wiedergespiegelt, gegen die derzeit so viele Sturm laufen: Eine Elite aus Showbusiness, Politik und Gesellschaft gibt sich ein sommerliches Stelldichein, man sieht und wird gesehen, gibt horrendes Geld für Karten aus und erwartet dafür, dass die abendlichen Vorstellungen bitteschön als nette Klangtapete dienen. Es war der Intendant Alexander Pereira, der dafür gesorgt hat, dass einer des spannendsten Festivals an diesen Punkt katapultiert wurde. Sein Salzburg war vor allen Dingen ein Laufsteg für den Intendanten selber, der es offensichtlich genoss, sich mit Prominenz zu umgeben und seine Sponsoren mit jener Kultur zu füttern, die er für geeignet erachtete: Schauspiel, Konzert und Oper, die vor allen Dingen schön sein sollten! Selbst seinem Interims-Nachfolger Sven-Eric Bechtolf war es nicht gelungen, diesen Status Quo zu ändern. Die Konsequenz: das Feuilleton und die interessierten Zuschauer verloren das Interesse an Salzburg. Der Strippenzieher Nun hat „Intendant Elect“, Markus Hinterhäuser, das Programm seiner ersten Salzburger Saison im Sommer 2017 bekannt gegeben (hier alle Veranstaltungen ). Es ist kein Geheimnis: Seit Jahren hat auch er Kultur- und Machtpolitik in den Hinterzimmern betrieben, Politiker und Journalisten in Salzburgs Cafés getroffen und sie darauf eingeschworen, dass die Salzburger Festspiele endlich revolutioniert werden müssten – und dass er der geeignetste Mann für diese Aufgabe sei. Mein Hinterstübchen-Treffen mit ihm fand in Wien statt, in der „China Bar“, in der er mir – bei allerhand Zigaretten und Bier – erklärt hat, was nun nötig wäre. Zunächst hat Hinterhäuser begonnen, über Leonard Cohen zu schwärmen („zu seinen Konzerten würde ich auf den Knien kriechen“), dann hat er durchblicken lassen, dass er das, was damals in Salzburg lief, für Totengräberei hielt und sich schließlich mächtig über den herrschenden „Kulturkonsum“ aufgeregt. „Wenn ein Publikum die ‚Kindertotenlieder’ hört und danach noch in der Lage ist, Champagner zu schlürfen“, regte er sich auf, „dann ist mit der Aufführung irgendetwas schief gelaufen.“ Hinterhäuser will keine Kultur als Soundtrack der Schicki-Mickis, seine Kultur, so erklärte er damals, soll verwirren, Ohren öffnen, schockieren, zum Neudenken herausfordern. Mit anderen Worten: Auch sein Salzburg soll politisch sein, aber nicht als Ort des Inzests, sondern als Location des freien Denkens. Schon vor zwei Jahren sagte er auf Bedenken, ob sein Programm überhaupt durchsetzbar sei – politisch und wirtschaftlich: „Wir leben in einer Welt, in der die Leute vielleicht mehr Fragezeichen vor sich hertragen als manche Politiker und Theatermacher es wahrhaben will. Die Zeit ist reif, daraus Kapital zu schlagen.“ Was er meinte: Die Kultur, die er anbieten will, sollte das Bestehende nicht bestätigen, sondern hinterfragen. Es hat ziemlich lange gedauert, bis die Zeit für Hinterhäuser reif war: Zunächst hatte er gegen Pereira verloren, dann verging noch einmal Zeit – nun, endlich, war auch das Salzburger Kuratorium bereit für den Wandel. Gerade noch rechtzeitig. “Make Salzburg great again” Hinterhäuser will „Salzburg great again“ machen, aber dafür setzt er nicht auf radikale Systemänderung, nicht auf despotische Revolution und vor allen Dingen nicht auf Provokations-Populismus. Er ruft eher „Yes, we can!“ und glaubt daran, dass das Festival gemeinsam mit dem Publikum – dem alten und dem neuen – wieder spannend werden kann. Hinterhäuser ist kein dogmatischer Revoluzzer, sondern ein Begeisterer für das Denken. Das hat er bereits als Chef der „Wiener Festwochen“ durchblicken lassen. Und genau davon erzählt auch sein neues Programm in Salzburg. Hinterhäuser gibt dem Establishment durchaus Zucker: „Aida“ mit Netrebko unter Leitung von Riccardo Muti – das hätte auch in den letzten Jahren auf dem Programm stehen können. Dafür muss sich das Publikum heuer aber mit der Lesart der iranischstämmigen US-Amerikanerin Shirin Neshat auseinandersetzen. Die Videokünstlerin kannte Verdis Oper nicht, als Hinterhäuser sie anfragte – aber sie war begeistert, Regie führen zu dürfen. Man darf eine vollkommen neue Lesart erwarten. Ähnlich publikumswirksam dürfte Domingos Auftritt in „I due Foscari“ sein. Aber dafür bietet Hinterhäuser dann eben auch Moderne für Herz und Hirn an. Er hat verstanden, dass Opern wie „Lady Macbeth von Mzensk“ (Regie: Andreas Kriegenburg, Dirigent: Mariss Jansons), „Wozzeck“ (William Kentridge und Vladimir Jurowski) oder „Lear“ von Reimann (Simon Stone, Franz Welser-Möst) längst Klassiker sind. Dass es durchaus ein Publikum gibt, das keine Angst mehr vor der Moderne hat. Also stellt er mit diesen Opern Stücke auf das Programm, die das Potenzial zur Verstörung haben, aber dabei immer auch an den sinnlichen Impuls appellieren. Ähnlich ist sein Schwerpunkt zu 450 Jahre Monteverdi aufgebaut: John Eliot Gardiner wurde beauftragt, die Modernität des Alten unter Beweis zu stellen. Hinterhäuser versteht es, das Entdecken zu einem Lustgewinn zu machen. Und das tut er auch bei den geladenen Künstlern: Klar, Theodor Currentzis für „Le clamenza di Tito“ einzuladen, ist vielleicht nicht besonders mutig, sondern eher ein sicherer Erfolg – aber es wird ein Mozart-Neulesen in Salzburg geben. Ähnlich mit den Orchestern, Dirigenten und Virtuosen, die Hinterhäuser für die Konzerte einlädt: Neben den Wiener Philharmonikern bekommt Currentzis’ „musicAeterna“ einen großen Raum, um seine Arbeit an Mozart zu untermauern, die Berliner Philharmoniker werden kommen und Pittsburgh. Beim Nachwuchs setzt Hinterhäuser zum Glück nicht länger auf Dudamels Venezuela-Propaganda mit dem „Simon Bolivar Jugendorchester“, sondern auf musikalisch glaubhaftere Ensembles wie das Gustav Mahler Jugendorchester (mit Metzmacher) und das West-Eastern Divan Orchestra (mit Barenboim). Ähnlich abwechslungsreich seine Solisten-Riege. Neben Anne Sophie Mutter (der Klassik-Klassikerin) hat Pianist Hinterhäuser folgende Klavier-Kollegen eingeladen: Schiff, Sokolov, Kissin, Levit, Uchida, Argerich und Pollini – das ist zum Teil bewährt, zum Teil spannend, zum Teil auch ein bisschen anbiedernd. Schade, dass Hinterhäuser nicht über seiner kleinen Fehde mit Rudolf Buchbinder steht und den Salzburger Publikumsliebling heuer nicht eingeladen hat – so hätte er ein Zeichen für Versöhnung setzen können. Dennoch: Hinterhäuser lädt wieder Klasse ein, echte Könner – Musiker, die Musik mit Denken verbinden und nicht mit purem Entertainment. Mitnehmen statt spalten Tatsächlich scheint es dem neuen Intendanten zu gelingen, Salzburg zwar nicht neu zu erfinden, sondern innerhalb der Konventionen an neue Grenzen zu führen. Und damit könnte sein Verständnis von Kultur durchaus auch als Modell für die wirklich wahre Welt dienen: Mitnehmen statt spalten, ernst nehmen statt lächerlich machen, besser machen statt meckern. Hinterhäuser gelingt es in seinem ersten Programm, das Stammbublikum nicht zu düpieren, es mitzunehmen. Anders als einst Gérard Mortier – der den Krieg gegen den Klunker geführt hat – verspricht Hinterhäusers Programm etwas Anderes: Die Vereinigung des Alten mit dem Neuen, das Mitnehmen aller, die auch nur das geringste Interesse an einer Kultur haben, die nicht allein als Tapete, sondern auch zum eigenen Denken anregt – ein Programm jenseits der Ideologie, in dem die Musik und die Könnerschaft die Hauptrolle spielt. Hinterhäuser geht es in seinem ersten Programm nicht um die pure Provokation, sondern um die Begeisterung, darum, Salzburg wieder spannend und etwas unvorhersehbarer zu machen, zu einem Ort, an dem die Tradition auf die Erneuerung trifft – und um dauernden Diskurs. Allein damit ist schon viel geschafft: Salzburg entblättert die Goldfolie und mischt die olle Mozart-Schokolade seiner Musik-Kugeln mit exotischen Gewürzen. Verstörend ist das nicht – spannend ist das allemal



Klassische Musik und Oper von Classissima



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